Trachtenmarkt 2016 am 11./12.06.2016 in Bad Dürrheim

Bad Dürrheim. Die Tracht, in vorigen Jahrhunderten und auch heute meist feierliche Kostümierung für Sonn-und Feiertage, erwies sich am Wochenende auch als eine Art „Blauer Anton“. Sie wurden nämlich von den meisten Frauen getragen, die sich an rund 20 Ständen im „Haus des Bürgers“ bei der Fertigung ihrer Produkte über die Schulter gucken ließen. So war ein Quartett von Villingerinnen zu beobachten, wie sie Radhauben fertigten. Das sind nicht etwa Felgendeckel für Automobile, das ist der Kopfschmuck der Biedermeiertracht, die um 1820 bis 40 auch in Villingen vogue war. „Die Tracht stammt ursprünglich aus der Region des Vorarlbergs und der angrenzenden Bodenseeregion,“ erläuterte Jutta Grothaus von der historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe. In Wien wurden Radhauben nicht getragen, stammen aber aus Vorderösterreich, zu welchem früher Villingen gehörte.

Die Kleider gerieten aus der Mode und erfuhren vor ihrer Neuentdeckung in der Heimattradition eine Renaissance bei den Begleiterinnen des Narros. Für die Herstellung der filigranen Rundhauben braucht es ein gutes Fingerspitzengefühl, wie es die Damen bewiesen. Eine Rottweilerin macht in der Gruppe mit – offenbar hat sich seit den Zeiten, als Haudegen Romäus das Stadttor der alten freien Reichsstadt einrammte, das Verhältnis zur Zähringerstadt merklich verbessert. Gleichfalls ein gutes Auge und großes Fingergeschick besitzt Ursula Wucherer aus Wurmlingen. Sie fertigt mit Silber- und Goldfäden Paramente, aufwendige Stickereien für Trachten, vor allem für deren künstlerisch sehr aufwendig gestalteten Ausprägungen auf der Baar.

Aus der von ihnen so bezeichneten „Schwarzwaldhauptstadt“ Görwil waren vier Mädchen angereist, die mit Hilfe kleiner Metallelemente mitwertvollen Stoffen hergestellte Oberbekleidung bestickten. Nur Könige dürften sich so etwas früher geleistet haben. Wie im Märchen hielt überraschend ein Mann ein Spinnrad gekonnt in Schwung, um Schafswolle in

Fadenausprägung zu bringen. Der Langbartträger stammt aus Schömberg und stellte mit ein letztes „Überbleibsel“ der einstmals prächtig florierenden Textilindustrie des Mittel-

gebirges dar. Vertreterinnen des Landesverbandes des Deutschen Zithermusikverbandes aus der Musik-

kernmetropole spielten mit ihren Saiteninstrumenten auf. In naher Zukunft sollen auch neue Musiktöne erklingen. „Wir sind angehalten worden, auch die im arabischen Kultur-

raum verwendete Baglama bei unserer Arbeit in der Musik zu nutzen, um einen Dialog zwischen den Kulturen aufzubauen“, hieß es. Das stellt auch für Profis eine ganz besondere Herausforderung dar, denn im arabischen Raum werden tonphysikalisch ganz andere Tonleitern verwendet. Auf dem Rathausplatz trugen die Händler der argen Wetterkapriolen wegen beim Verkauf temporär gelben Ostfriesennerz. Ein umfangreiches Musik- und Schautanzprogramm rundete das Markttreiben ab. Für viele Besucher stellte der Tanzauftritt der Kinder- und Jugendgruppe des Bad Dürrheimer Trachtenvereins sowie der Kinder- und Jugendgruppe aus Niedereschach der absoluten Höhepunkt dar. Angeleitet von Barbara Reith und Rosmarie Löhrhof boten die Kinder aus Bad Dürrheim temperamentvolle Schrittformationen dar, die musikalisch mit viel Herzblut Alexander Reusch mit dem Akkordeon begleitete. Der Vorsitzende des Trachtengaus Schwarzwald, Sven Gnirss aus Emmingen-Liptingen, zog ein positives Fazit für die von der Kur- und Bäder GmbH mitorganisierten Veranstaltung, wünscht sich aber mehr Aussteller fürs nächste Mal. (Neckarquelle)

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